Naturschutzgebiet „Oberes Wiedtal“

Seit Ende 2008 ist im Westerwaldkreis das neue Naturschutzgebiet „Oberes Wiedtal“ ausgewiesen. Seine Ausdehnung umfasst Teile der Gemarkungen Wied, Schenkelberg, Hattert, Höchstenbach, Hartenfels und Hachenburg und ist mit rund 204 Hektar eines der größten Naturschutzgebiete im Westerwaldkreis. Den Anstoß zur Ausweisung kam von der Ortsgemeinde Wied und ihrer Ortsbürgermeisterin Gabriele Hachenberg.

Das Naturschutzgebiet wurde unter besonderen Schutz gestellt, weil der Oberlauf der Wied ein nahezu unberührter Mittelgebirgsbach ist, der ungestört in einem großflächig zusammenhängenden Waldgebiet liegt. Zusammen mit den zahlreichen – im Gebiet äußerst wertvoll vorkommenden – Biotoptypen wie zum Beispiel Quellbereichen, kleineren Bachläufen, Kleingewässern, Nass- und Feuchtwiesen, Bruchwäldern und Bach begleitenden Uferwäldern ist hier ein vielfältiges Mosaik von unschätzbarer Bedeutung für den Artien- und Biotopschutz entstanden.

Foto: Andreas Trepte (www.photo-natur.de)

So ist das Wiedtal Lebensstätte zahlreicher, seltener wildlebender Tierarten. Viele der heimischen Amphibien- und Reptilienarten finden im Gebiet Laichplätze sowie unzerschnittene Sommer- und Winterlebensräume. Zahlreiche zum Teil sogar streng geschützte Vogelarten wie Rotmilan, Graureiher, Schwarz- und Grauspecht, Wasseramsel haben hier Brut- und Nahrungsbiotope. Sogar der farbenprächtige Eisvogel, kann bei seinem schnellen Flug über das klare Wasser beobachtet werden.

Viele zum Teil ebenfalls gefährdete Pflanzenarten werden durch die extensive Weidenutzung in ihrem Bestand erhalten. Als Raritäten sind Orchideen, Fieberklee, Sumpfblutauge und Fadenbinse zu nennen. Die Beweidung hält das Tal offen und die unerwünschte Verbuschung setzt erst gar nicht ein. Der Begriff Landschaftspflege durch landwirtschaftliche Nutzung wird in diesem Gebiet praktisch umgesetzt und dient den Zielen des Naturschutzes.

Möglich wurde diese Form der landwirtschaftlichen Nutzung durch Ausgleichsmaßnahmen für die ICE-Neubaustrecke. Hierdurch konnten die zahlreichen privaten landschaftsuntypischen Nadelholzaufforstungen entlang der Wied beseitigt und der ursprüngliche Charakter dieser Bachaue wiederhergestellt werden. Neben Grünland für die extensive Beweidung stellten sich von selbst auch die standorttypischen Feuchtwiesen ein. Eine Initialpflanzung aus Roterlen, Eschen und Weiden diente der Schaffung eines natürlichen Auenwaldes. Amphibienteiche wurden angelegt und entwickelten sich binnen kürzester Zeit zu wertvollen Lebensstätten für Molche, Frösche, Kröten und Libellen.

Es versteht sich von selbst, dass in einem solch hochwertigen Gebiet alle schädigenden Handlungen verboten sein müssen. So dürfen unter anderem keine Gewässer beseitigt oder die Ufervegetation verändert werden, keinesfalls darf es zu Entwässerungen kommen. Aber auch die Ausbringung von anorganischem Dünger und die Anwendung von Pflanzenbehandlungsmitteln ist hier verboten.


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